Insektenhotel bauen: Upcycling, das Bienen, Käfern und Schmetterlingen hilft

Im Upcycling Zentrum (UpZent) des Umwelt-Campus Birkenfeld lässt die OIE Insektenhotels aus Reststoffen produzieren. Auch Sie können Gutes für Bienen und Co. tun – mit einem Unterschlupf aus Konservendosen. „Meine OIE“ verrät, wie es geht

 

Sie brummen, summen, krabbeln und fliegen umher, bestäuben Pflanzen, zersetzen Kot und Totholz und sind Nahrung für Igel, Frösche und Vögel. Ohne Insekten ist unser Ökosystem in großer Gefahr. Studien zeigen, dass auch in Deutschland die Insektenvielfalt abnimmt: Immer weniger Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten bevölkern Gärten, Wiesen und Felder. Die Gründe für das Artensterben sind zahlreich. So vergiften wir Menschen durch den übermäßigen Einsatz von Pestiziden die Nahrung der Nützlinge oder legen statt blühender Blumenbeete öde Steingärten an.

Engagement für Insekten, Umwelt und Klima

Doch es gibt Hoffnung: Viele Menschen setzen sich für den Schutz der kleinen Tiere ein. Auch die OIE macht mit. Sie unterstützt beispielsweise als Kofinanzierer das EU-Projekt LIFE-IP ZENAPA, das sich im Bereich Klima-, Natur- und Artenschutz engagiert. Im Jubiläumsjahr 2019 hat die OIE im Rahmen der Aktion „Bring unsere Region zum Blühen“ 10.000 Wildblumen-Samentüten in der Region verteilt, damit die Menschen in Gärten, auf Brachflächen und anderen geeigneten Stellen für blühende Insektenoasen sorgen. Auch die Initiative „Heimatliebe“ soll unter anderem dafür sorgen, die natürlichen Lebensräume unserer Region zu erhalten. Daher verschenkt die OIE für jeden neu abgeschlossenen Heimatliebe-Stromvertrag zwei Samentüten. Und für jeden 200. Neuvertrag lässt sie im Upcycling-Zentrum (UpZent) ein Insektenhotel im Wert von 200 Euro bauen, das dann in der Region aufgestellt wird.


UpZent baut für die OIE ein Upcycling-Insektenhotel

Dabei profitieren Umwelt und Klima gleich doppelt. Einerseits bietet das Insektenhotel Bienen, Käfern und Fliegen einen Unterschlupf. Andererseits besteht das Insektenhotel des UpZent, ein Projekt des Umwelt-Campus Birkenfeld, komplett aus industriellen Abfallprodukten, die in den Werkstätten des UpZent eine neue Funktion erhalten. Beispielsweise besteht der Rahmen des OIE Insektenhotels aus Restholz und für die Füllung werden Resthölzer, Wellpappe, Holzwolle, Stroh und andere Materialien verwendet, die woanders nicht mehr benötigt werden.

Welche Füllung eignet sich für ein Insektenhotel?

Um möglichst vielen verschiedenen Arten einen Nistplatz zu bieten, werden die Hotelzimmer des Insektenunterschlupfs nämlich unterschiedlich befüllt. Florfliegen und Ohrwürmer betten sich gerne auf Stroh, fühlen sich aber auch in Tannen- oder Kiefernzapfen sowie in Holzwolle wohl. Zapfen und Holzwolle sind zudem beliebte Ruheplätze von Käfern, die außerdem trockenes Laub oder Rindenmulch mögen. Bienen und Wespen indes mögen hohle Pflanzenstängel, etwa von Schilf, Bambus oder markhaltigen Pflanzen wie Flieder sowie Pappe- und Papierröhrchen. Zur Eiablage bevorzugen sie angebohrtes Hartholz von Laubbäumen. Wildbienen lassen sich mit durchlöcherten Lehmziegeln locken, wobei idealerweise jedes Loch mit einem Röhrchen befüllt wird. Auch leere Schneckenhäuser sind für Wildbienen ein idealer Unterschlupf. Schmetterlinge wiederum mögen locker angeordnete dünne Äste mit einem Durchmesser von etwa fünf Millimetern. Sie dienen als Kälteschutz und Ort zum Ausruhen.

Schadstoffe, scharfe Kanten und Nässe vermeiden

Die Möglichkeiten, ein Insektenhotel einzurichten, sind demnach vielfältig. Doch sollte nur unbedenkliches Material ausgewählt werden. So darf das verwendete Holz auf keinen Fall mit schädlichen Stoffen behandelt sein. Am besten eignet sich ungestrichenes, unbehandeltes Holz. Auch scharfe Kanten sind tabu, denn daran können sich Insekten verletzen. Vor allem die Eingänge sollten ganz glatt sein. Auch sonst muss das verwendete Holz frei von Rissen oder ausgefransten Stellen sein. Wichtig ist außerdem, dass die Füllung vor Nässe geschützt wird. Ist am Aufstellort kein Dach vorhanden, bietet sich daher der Bau eines Regenschutzes mit Plexiglas oder Alublechen an. Ein Draht oder ein Gitter schützen das Hotelzimmerinventar vor dem Herausfallen.

 

Anleitung: Ein Upcycling-Insektenhotel aus einer Konservendose selber bauen

Die OIE Insektenhotels, die im UpZent entstehen und künftig an geeigneten Orten in der Region aufgestellt werden, bieten Platz für viele unterschiedliche Füllmaterialien. Doch auch kleine Behausungen gewähren den Tieren Schutz und sind gut für die Umwelt. Schnell gemacht und zugleich eine tolle Upcycling-Lösung sind Varianten aus Konservendosen. Ihr Vorteil: Sie sind wasserabweisend und witterungsbeständig, halten also länger als Holzhotels. Und Insekten fühlen sich in ihnen ebenso wohl.

Material und Werkzeug:

  • 1 saubere, leere Konservendose mit ausreichender Tiefe
  • hohle Pflanzenstängel oder Bambus oder Papprollen oder Strohhalme
  • trockenes Gras oder Stroh
  • Kordel zum Aufhängen oder anderes Fixiermaterial
  • Säge, Schleifpapier, Bohrer

Bauanleitung:

  1. Boden und Deckel der Konserve entfernen und die Kanten glätten, damit sich die Insekten nicht an scharfen Kanten verletzen können. Bei Bedarf Stängel oder Bambusrohr mit einem Bohrer weiter aushöhlen.
  2. Stängel mit einer Säge passend zurechtsägen. Sie sollten genau in die Dose passen und mit dem Rand abschließen. Auch hier darauf achten, dass die Kanten glatt sind. Offene Röhrchen an einer Seite mit Watte oder Baumwolle verschließen. Nur dann lassen sich die Insekten dort auch nieder.
  3. Die Stangen oder Pappröllchen zusammen mit trockenem Stroh oder Heu eng in die Dose stecken. Wer mag kann auch gleich zwei Dosen vorbereiten und eine mit Stängeln, die andere nur mit Stroh oder Heu füllen, was Florfliegen, Ohrwürmer und Käfer anzieht.
  4. Ist alles gut fixiert, kann die Dose aufgehängt oder in eine Astgabel gelegt und fixiert werden. Auch ein Balkon eignet sich als Aufstellort. Generell sollten Sie auf einen wettergeschützten Ort achten und das Dosenhotel so platzieren, dass es nicht wackelt oder kippt, denn das mögen Insekten nicht.


    Tipp: Wer es farbig mag, kann vor dem eigentlichen Hotelbau die Dose mit Buntlack oder Acrylfarbe gestalten. Dabei wirken gelbe Dosen auf Insekten besonders anziehend.